Hamburger Abendblatt vom 29. Mai 2004 (Freizeit & Reise):
Idylle zwischen Eider und Treene
Kleine Fluchten
Von Michael Pasdzior
Von 1651 an schuf Herzog Friedrich von Gottdorf mit holländischen Remonstranten - Anhängern einer von der reformierten Kirche der Niederlande abgetrennten Gruppe - das Städtchen Friedrichstadt zwischen Eider und Treene. Ihnen verdankt der Ort seine besondere Architektur und die Grachten, auf denen Besucher nun Rundfahrten genießen. Im Ortskern, inmitten alter Bauten, die die Vergangenheit sprechen lassen, glänzt in ruhiger Lage ein Hotel, das nach dem Stadtbegründer benannt ist. Genau genommen besteht das "Herzog Friedrich" aus zwei Häusern, getrennt durch einen Garten.
In dem über 100 Jahre alten Gemäuer befand sich früher die Druckerei der Stadt. Später wurde es zu einem einfachen Hotel umgebaut; vor 20 Jahren war es vom Konkurs bedroht. Die Wende kam in Gestalt von Heitje Schäfer. Die gebürtige Berlinerin, die nach dem Krieg mit ihrer Familie einige Zeit in Friedrichstadt gelebt hatte, kehrte nach kaufmännischer Ausbildung und Arbeit im öffentlichen Dienst hierher zurück. In der Mitte ihres Lebens wollte sie sich neu orientieren und suchte zunächst eigentlich nur eine Bleibe in Friedrichstadt. Die Bank bot ihr das Hotel an. Da Heitje Schäfer gern mit Menschen zu tun hat, zögerte sie nicht lange und war über Nacht zur Hotelierin geworden.
Diesen Sprung ins kalte Wasser hat sie nie bereut. Mit Freude und viel Engagement führt sie den "Herzog Friedrich". Vor zehn Jahren kaufte sie das zweite Haus dazu. In beiden stecken 14 Doppelzimmer, acht davon mit Antiquitäten ausgestattet, die auch käuflich sind. Ständig ist Heitje Schäfer auf der Suche nach antiken Stücken, bevorzugt in Dänemark. Dementsprechend sind die Zimmer im Landhausstil eingerichtet, wobei ein luftiger, mediterraner Ton vorherrscht. Jedes Quartier unterscheidet sich total vom anderen. Während die Gäste in dem einen unter hohem Spitzdach mit alten Balken schlafen, überrascht das nächste mit einem kuscheligen Alkoven. Hier sollte sich nach all der frischen Landluft, die man tagsüber genießt, erholsamer Tiefschlaf schnell einstellen.
Besonderes Schmuckstück des Hotels ist der ehemalige Hof, den die Besitzerin mit viel Mühe und Liebe zu einem wunderschönen, verwildert wirkenden Garten umfrisiert hat. Hier zeigt sich deutlich, dass Heitje Schäfers ursprünglicher Berufswunsch die Gartenarchitektur war. Mit Hingabe pflegt sie die Idylle. Hier finden sich Ecken und Nischen, in denen man auf geschnitzten Bänken, Stühlen oder in einem Strandkorb entspannt den Tag verdösen kann. Spielt das Wetter mit, kann man nachmittags Kaffee und hausgebackenen Kuchen genießen oder zu Abend essen.
Auch in dem gemütlichen, kleinen Restaurant, mit allerlei Accessoires liebevoll mediterran dekoriert, lässt es sich angenehm speisen. Die Karte mit Suppen, Salaten sowie diversen Fleisch- und Fischgerichten ist vielseitig und bedeckt preislich den mittleren Bereich.
Die Bärlauchsuppe und der kanadische Räucherlachs zu Kartoffelpuffern mit Meerrettich als Vorspeise waren genauso tadellos wie das Zanderfilet auf Champagnerkraut oder das Lammfilet aus heimischer Umgebung mit ausgesprochen knusprigen, preisverdächtigen Bratkartoffeln. Interessante Abwechslung bringt die Küche mit "Speisen wie damals" ins Spiel. Da kommen dann Gerichte wie "Poren Pann" (Nordseekrabben in Sahne-Schnittlauch-Köm-Sauce) oder "Des Herzogs Rübenschmaus" (Rübenmus nach Art des Hauses mit Kassler und Kochwurst) auf den Tisch. Die "Rote Hexe" (Waffel mit roter Grütze, Zimt, Eierlikör, Eis und Sahne) kam als gelungener Abschluss.
Danach kann etwas Bewegung nicht schaden. Mittlerweile war es dunkel geworden. Zu unserer Überraschung erschienen plötzlich Jan und Edeltraut Carstens, die in historischen Kostümen als "Herzog und Herzogin" zum Rundgang durchs nächtliche Friedrichstadt einluden. Wir folgten ihnen gern, zogen wie die anderen Hotelgäste mit Laternen los und erfuhren viel Interessantes - Nettes und weniger Angenehmes - aus der Geschichte dieser schönen Stadt. Zum Abschluss gehört es sich, einige Brocken Holländisch zu lernen. Und "Auf die Gesundheit" wird stilrichtig ein Genever gekippt.
Idylle zwischen Eider und Treene
Kleine Fluchten
Von Michael Pasdzior
Von 1651 an schuf Herzog Friedrich von Gottdorf mit holländischen Remonstranten - Anhängern einer von der reformierten Kirche der Niederlande abgetrennten Gruppe - das Städtchen Friedrichstadt zwischen Eider und Treene. Ihnen verdankt der Ort seine besondere Architektur und die Grachten, auf denen Besucher nun Rundfahrten genießen. Im Ortskern, inmitten alter Bauten, die die Vergangenheit sprechen lassen, glänzt in ruhiger Lage ein Hotel, das nach dem Stadtbegründer benannt ist. Genau genommen besteht das "Herzog Friedrich" aus zwei Häusern, getrennt durch einen Garten.
In dem über 100 Jahre alten Gemäuer befand sich früher die Druckerei der Stadt. Später wurde es zu einem einfachen Hotel umgebaut; vor 20 Jahren war es vom Konkurs bedroht. Die Wende kam in Gestalt von Heitje Schäfer. Die gebürtige Berlinerin, die nach dem Krieg mit ihrer Familie einige Zeit in Friedrichstadt gelebt hatte, kehrte nach kaufmännischer Ausbildung und Arbeit im öffentlichen Dienst hierher zurück. In der Mitte ihres Lebens wollte sie sich neu orientieren und suchte zunächst eigentlich nur eine Bleibe in Friedrichstadt. Die Bank bot ihr das Hotel an. Da Heitje Schäfer gern mit Menschen zu tun hat, zögerte sie nicht lange und war über Nacht zur Hotelierin geworden.
Diesen Sprung ins kalte Wasser hat sie nie bereut. Mit Freude und viel Engagement führt sie den "Herzog Friedrich". Vor zehn Jahren kaufte sie das zweite Haus dazu. In beiden stecken 14 Doppelzimmer, acht davon mit Antiquitäten ausgestattet, die auch käuflich sind. Ständig ist Heitje Schäfer auf der Suche nach antiken Stücken, bevorzugt in Dänemark. Dementsprechend sind die Zimmer im Landhausstil eingerichtet, wobei ein luftiger, mediterraner Ton vorherrscht. Jedes Quartier unterscheidet sich total vom anderen. Während die Gäste in dem einen unter hohem Spitzdach mit alten Balken schlafen, überrascht das nächste mit einem kuscheligen Alkoven. Hier sollte sich nach all der frischen Landluft, die man tagsüber genießt, erholsamer Tiefschlaf schnell einstellen.
Besonderes Schmuckstück des Hotels ist der ehemalige Hof, den die Besitzerin mit viel Mühe und Liebe zu einem wunderschönen, verwildert wirkenden Garten umfrisiert hat. Hier zeigt sich deutlich, dass Heitje Schäfers ursprünglicher Berufswunsch die Gartenarchitektur war. Mit Hingabe pflegt sie die Idylle. Hier finden sich Ecken und Nischen, in denen man auf geschnitzten Bänken, Stühlen oder in einem Strandkorb entspannt den Tag verdösen kann. Spielt das Wetter mit, kann man nachmittags Kaffee und hausgebackenen Kuchen genießen oder zu Abend essen.
Auch in dem gemütlichen, kleinen Restaurant, mit allerlei Accessoires liebevoll mediterran dekoriert, lässt es sich angenehm speisen. Die Karte mit Suppen, Salaten sowie diversen Fleisch- und Fischgerichten ist vielseitig und bedeckt preislich den mittleren Bereich.
Die Bärlauchsuppe und der kanadische Räucherlachs zu Kartoffelpuffern mit Meerrettich als Vorspeise waren genauso tadellos wie das Zanderfilet auf Champagnerkraut oder das Lammfilet aus heimischer Umgebung mit ausgesprochen knusprigen, preisverdächtigen Bratkartoffeln. Interessante Abwechslung bringt die Küche mit "Speisen wie damals" ins Spiel. Da kommen dann Gerichte wie "Poren Pann" (Nordseekrabben in Sahne-Schnittlauch-Köm-Sauce) oder "Des Herzogs Rübenschmaus" (Rübenmus nach Art des Hauses mit Kassler und Kochwurst) auf den Tisch. Die "Rote Hexe" (Waffel mit roter Grütze, Zimt, Eierlikör, Eis und Sahne) kam als gelungener Abschluss.
Danach kann etwas Bewegung nicht schaden. Mittlerweile war es dunkel geworden. Zu unserer Überraschung erschienen plötzlich Jan und Edeltraut Carstens, die in historischen Kostümen als "Herzog und Herzogin" zum Rundgang durchs nächtliche Friedrichstadt einluden. Wir folgten ihnen gern, zogen wie die anderen Hotelgäste mit Laternen los und erfuhren viel Interessantes - Nettes und weniger Angenehmes - aus der Geschichte dieser schönen Stadt. Zum Abschluss gehört es sich, einige Brocken Holländisch zu lernen. Und "Auf die Gesundheit" wird stilrichtig ein Genever gekippt.